München am münchnerischsten – Holzfässer mit
Sauerkraut neben französischem Käse und gutem
Wein, Papayas neben Blumenkohl und polnischen
Pilzen oder Hummer neben Schweinshaxen – ein
buntes Schlemmerparadies, umweht von Grillwurstduft,
Fischgeruch und Damenparfüms – das
ist München, wo es am münchnerischsten ist:
samstags auf dem Viktualienmarkt. Seit 200 Jahren
findet er hier statt und seit 100 Jahren ist er so
groß wie heute. 140 Firmen bieten dort ihre Waren
feil und die gstandn‘n Stand‘l-Frauen nehmen
sich alle Zeit der Welt für die Wünsche ihrer Kunden,
ob feine Dame, junge Mutter oder reifer
Gamsbartträger. Zum jahreszeitlich wechselnden
Treiben gehören der Tanz der Marktweiber am Faschingsdienstag,
das Aufstellen des Maibaums am
1. Mai, der Tannenduft im Winter und das Kastaniengrün
über dem Biergarten im Sommer. „Leben
und Leben lassen“, scheint hier die Devise zu sein
– oder auch: „Es gibt nichts, was es nicht gibt“.
Und weil hier München ganz bei sich ist, sind
auch die Levitenleser, Volksschauspieler und
G‘stanz‘l-Sänger immer dabei. Politisch völlig
korrekt haben jeweils drei Männer und drei Frauen
aus der Gilde jeder einen eigenen Brunnen –
von Karl Valentin bis Liesl Karlstadt.